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Perspektiven für Wohnen und Multimedia
13.01.2004

Perspektiven für Wohnen und Multimedia

Die Einführung des digitalen Fernsehens, die Konzentration bei den Kabelnetzbetreibern und die Fragen nach Programmvielfalt und Kosten beschäftigen die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Das Thema Multimedia wird auch in Zukunft ein wichtiger Schlüsselfaktor im Hinblick auf die Vermietung von Wohnungen bleiben. Davon ist Gerhard A. Burkhardt, Vorsitzender des Verwaltungsrates der wms Wohnmedia Service GmbH, im Interview überzeugt.




Wo liegt die aktuelle Herausforderung für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft im Bereich Multimedia?

Burkhardt: Das Thema ist viel komplizierter, als man zunächst meinen mag. Wenn Sie sich informieren wollen, dann müssen Sie sehr schnell in den technischen Fachjargon eintauchen. Denn im Medien-Dschungel wird von Sternnetzen und Megahertz, von Mehrwertdiensten und Verschlüsselung, Netzebenen und Kopfstationen gesprochen, um nur ein paar Begriffe anzuführen. Und dann haben wir auch noch das deutsche Modell der Fragmentierung in mehrere Netzebenen, das einzigartig auf der Welt ist. Daraus ergibt sich ein immenser Beratungsbedarf.


Kann die wms diesen Beratungsbedarf decken?

Burkhardt: Davon bin ich überzeugt. Und dies zeigt auch die Erfahrung. Seit ihrem Erstauftritt am Wohnungs- und Immobilienmarkt 1998 hat die wms viele Unternehmen erfolgreich beraten. Im Vordergrund standen gutachterliche Untersuchungen zur Versorgung von Bestandswohnungen und von verwalteten Wohnungen mit Rundfunk- und Fernsehprogrammen sowie die technische Untersuchung des Netzes. Aus diesen Anfängen heraus hat sich die wms schnell einen Namen gemacht. Mittlerweile hat sich auch herumgesprochen, dass die wms fachlich kompetente und unabhängige Beratungsleistungen erbringt.


Wer steht hinter der wms?

Burkhardt: Die wms ist ein Gemeinschaftsunternehmen von vbw Verband baden-württembergischer Wohnungsunternehmen, vtw Verband Thüringer Wohnungswirtschaft, der mit Beginn des Geschäftsjahres 2002 dazu kam, und von Bosch Breitbandnetze GmbH. Seit dem 1. Juli diesen Jahres ist auch der VDIV Verband der Immobilienverwalter Baden-Württemberg Mitgesellschafter. Damit kann auch der VDIV seinen Mitgliedern die Dienstleistungen der wms aus erster Hand anbieten. Ziel der wms ist es, die Unternehmen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft bundesweit in allen Fragen zur modernen und soliden Medienversorgung der Haushalte zu beraten, sie über die Veränderungen des Marktes zu informieren, um damit den Verantwortlichen Entscheidungssicherheit für das unternehmerische Handeln zu geben.


Die Beratungsleistung soll deutschlandweit erfolgen?

Burkhardt: Ja, das ist mittelfristig unser Ziel. Die wms ist dafür aufgestellt. Der Sitz der Gesellschaft ist in Berlin. Dazu kommen die Niederlassungen in Stuttgart und Erfurt sowie die Büros in München und Dresden. Ich schließe nicht aus, dass noch mehr Standorte hinzukommen werden. Um nah am Kunden zu sein, bleibt die operative Struktur der Gesellschaft weiterhin regional.


Wie sieht das in der Praxis aus, wenn ein Wohnungsunternehmen bei der wms anfragt?

Burkhardt: Zunächst einmal schauen wir, was hat der Kunde, also wie sieht die Technik des Bestandes aus. Dazu gehört die Netzkonfiguration, die Frage nach der Netzqualität und der Tauglichkeit für digitalen Empfang, die Frage nach der Anzahl der Wohneinheiten je Übergabepunkt, nach der Zahl der Programme und die Durchführung von Messungen vom Übergabepunkt bis hin zur Antennensteckdose, um Pegelqualität und Störstrahlungen festzustellen. Der zweite Schritt ist die Beantwortung der Frage "Was braucht der Kunde?". Ist eine Teilmodernisierung der Netze für die Herstellung der Zukunftssicherheit ausreichend oder ein Neubau notwendig? Welche Signalquelle soll ausgewählt werden? Ist eine Anbindung an bestehende oder geplante Stadtnetze sinnvoll? Soll eine professionelle SAT-Anlage errichtet werden? Und schließlich gehört die wirtschaftliche Beratung zum Dienstleistungspaket der wms, also die Prüfung von bestehenden Verträgen im Hinblick auf das Preis-/Leistungsverhältnis. Am Schluss steht die Handlungsempfehlung für den Kunden, die genau durchgesprochen wird. Sollte das Ergebnis sein, dass ein neuer Vertrag her muss, dann führt die wms auch die Vertragsverhandlungen und wirkt bei der Gestaltung eines individuellen Vertrages mit.


Das Dienstleistungspaket hört sich sehr umfassend an. Kann sich auch ein kleines Wohnungsunternehmen diese Beratung leisten?

Burkhardt: Die Beratungsleistungen der wms sind im Regelfall kostenlos. Letztlich bleibt es dem Unternehmen überlassen, ob es den Empfehlungen nachkommt. Wenn technisch nachgerüstet werden muss, dann erst kommen Kosten auf das Unternehmen zu. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollten sich die Dienstleistungen der wms einholen. Denn in diesen Unternehmen fehlt es häufig an Fachpersonal mit der nötigen Beurteilungskompetenz für die vielen technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen.


Ist das Thema Multimedia momentan überhaupt so wichtig für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft? Hat die Branche nicht andere Sorgen?

Burkhardt: In der Tat gibt es mehr als genug Probleme. Noch nie in den letzten 50 Jahren war die Situation so dramatisch wie heute. Denken Sie nur an das steuerliche Hick-Hack aus Berlin, die daraus folgende Verunsicherung der Investoren, aber auch der Familien, die nicht mehr wissen, ob sie sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können. Dazu kommen die Schwierigkeiten am Finanzmarkt - Stichwort "Basel II" - die unserer Branche zu schaffen machen. Gerade deshalb ist es wichtig, in die Zukunft zu blicken. Wir können schon heute nicht mehr von dem Immobilienmarkt sprechen, sondern nur noch von sehr heterogenen Teilmärkten. Wenn man die Lupe an so einen Mikromarkt hält, sich die demografische Entwicklung und die sich ändernden Arbeits-, Lebens- und damit auch Wohnformen anschaut, dann wird klar, dass das Thema der multimedialen Versorgung ganz oben stehen muss. Wer heute modernisiert oder saniert, muss sich ebenfalls intensiv mit dem Thema beschäftigen, sonst hat er womöglich am Markt vorbei investiert. Fernsehen gehört zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen. Dazu gehören auch Programme ausländischer Anbieter. Und der Kunde erwartet, dass er sowohl analoge wie digitale Fernseh- und Rundfunkprogramme empfangen kann und dass die Umstellung von analog zu digital nicht zu seinen Lasten geht. Außerdem müssen wir davon ausgehen, dass in naher Zukunft zusätzliche Dienste wie Internet, interaktives Fernsehen oder Informationsdienste für geschlossene Nutzergruppen wie Mieter oder Eigentümer stärker nachgefragt werden. Was letztlich zählt beim Kunden, ist der Preis. Allein schon deshalb müssen die Unternehmen sich gut informieren, damit sie das bieten können, was der Markt fordert, was rechtlich verbindlich ist und das alles zu günstigen Konditionen.

Das Interview erscheint in der Zeitschrift "Der Immobilienverwalter" Ausgabe 5/2003.
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