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12.05.2003
Negativer Trend am Wohnungsmarkt: Neubau runter - Mieten rauf
vbw sieht Engpässe bei der Wohnungsversorgung in Baden-Württemberg voraus - Eigenheimzulage soll Grundlage für den Eigenheimerwerb bleiben - Wohnungswirtschaft appelliert an Verlässlichkeit der Finanz- und Steuerpolitik.
Ulm, 8. Mai 2003. Für private Häuslebauer und Wohneigentumserwerber stehen die Zeichen derzeit gut. Noch können sie auf die Eigenheimzulage zählen und mit günstigen Bauzinsen rechnen. Doch wie lange noch? "Wir brauchen eine verlässliche Finanz-, Förder- und Steuerpolitik in Deutschland, um Investoren für den Wohnungsbau zu interessieren", sagte Gerhard A. Burkhardt, Präsident des vbw Verband baden-württembergischer Wohnungsunternehmen, anlässlich des Verbandstages in Ulm. Um Stadtflucht und Zersiedelung zu vermeiden und insbesondere Familien dennoch ein Eigenheim zu ermöglichen, wäre es nach Ansicht des vbw sinnvoll, die Eigenheimzulage für Gebrauchtimmobilien auf das derzeitig noch geltende Niveau für Neubauten anzuheben. Angesichts großer Leerstände in Ostdeutschland und Wohnungsknappheit in Ballungszentren und Universitätsstädten wie etwa Stuttgart oder Freiburg sollte auch über eine Regionalisierung dieser Förderung nachgedacht werden. Leerstandsquote nur bei 1,1 Prozent "Bei den Mitgliedsunternehmen des vbw ist Wohnungsleerstand kein Thema. Nimmt man die wegen Instandsetzung oder Modernisierung leer stehenden Wohnungen aus, dann beträgt die Leerstandsquote im Landesdurchschnitt gerade einmal 1,1 Prozent", so Burkhardt. Dies zeige, dass in Baden-Württemberg die Wohnungsversorgung gut sei, aber schon jetzt in manchen Regionen an Grenzen stoße. Vor allem Mieter bekämen das zu spüren. "Die Mieten bei den vbw-Mitgliedsunternehmen sind zwar nur mäßig gestiegen, doch wer auf dem Wohnungsmarkt in Baden-Württemberg eine große Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnung sucht, tut sich schwer", so Burkhardt. Vor allem in den Ballungszentren könne die Nachfrage nach günstigem Wohnraum kaum mehr erfüllt werden. Weil sich die Bedingungen für den Mietwohnungsneubau in den vergangenen Jahren rechtlich und finanziell deutlich verschlechtert haben, fließen die Investitionen mittlerweile hauptsächlich in die Modernisierung und Instandhaltung des Wohnungsbestandes und nicht in den Neubau, teilte der vbw mit. Seit Mitte der 90er Jahre sei der Mietwohnungsbau um drei Viertel abgestürzt. Im Jahr 1994 wurden noch drei von vier Euro in den Neubau investiert. Die Zeiten seien vorbei. Das zeige sich auch an der Zahl der Baufertigstellungen in Baden-Württemberg. Lediglich 33.600 Neubauwohnungen verzeichnete das Land im vergangenen Jahr. In den Jahren 1993 bis 1995 waren es mehr als doppelt so viele. Damit sei der Neubau deutlich unter die Quote von 50.000 Einheiten gesunken, die notwendig sind, um Abriss, Rückbau, Umwidmung und steigenden Wohnflächenverbrauch in Baden-Württemberg auszugleichen. Zwei Milliarden Euro für Modernisierung und Sanierung "Nahezu jeder zweite Euro, den unsere Mitgliedsunternehmen investieren, fließt heute in die qualitative Wohnwertverbesserung und Substanzerhaltung des Wohnungsbestandes", sagte Burkhardt. In den vergangenen fünf Jahren sind so mehr als zwei Milliarden Euro für die Aufwertung und Bestandserhaltung ausgegeben worden. Für das örtliche Handwerk sind die Mitgliedsunternehmen des vbw damit ein verlässlicher Partner und Auftraggeber. Der vbw begrüßt das mit 7,5 Milliarden Euro dotierte Wohnungsmodernisierungsprogramm der KfW. Damit starte die Regierung die wichtige Initiative, das mittelständische lokale Bau- und Ausbaugewerbe zu beleben. Ob das Programm allerdings wirklich nachhaltig greife, bezweifelte Burkhardt. "Besser wäre das Zuschuss-Prinzip. Also statt zinsverbilligter Darlehen einmalige, nicht rückzahlbare Zuschüsse zu gewähren", so Burkhardt. Immerhin habe die Regierung nun wohl erkannt, dass es stets die Bau- und Immobilienwirtschaft war, die in der Geschichte Deutschlands einen Aufschwung eingeleitet habe. Mehr als 300 Wohnungsunternehmen schenken dem vbw heute ihr Vertrauen. Rund zwei Drittel der Mitglieder gehören der Rechtsform der Genossenschaft an. Alle weiteren Verbandsmitglieder sind insbesondere Wohnungsunternehmen der Gebietskörperschaften, industrieverbundene Wohnungsunternehmen, Wohnungsunternehmen der Bausparkassen oder der sozialen Träger. In allen Land- bzw. Stadtkreisen Baden-Württembergs befindet sich mindestens ein Mitgliedsunternehmen des vbw. Jeder achte Einwohner Baden-Württembergs wohnt bei einem Wohnungsunternehmen, das zum Verband gehört. Insgesamt bewirtschaften die Mitgliedsunternehmen des vbw nahezu 500.000 Wohnungen. Sie investieren jährlich rund eine Milliarde Euro in die Sanierung und Modernisierung des Wohnungsbestandes sowie in den Neubau.
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