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Bauen für das neue Jahrtausend |
Teil 2: Energiewende im Haus
Teil 3: Wohnung 21: Anschluss erwünscht
Wohnen im 21. Jahrhundert
Unter der Wolkendecke bietet die Vogelperspektive über Deutschland ein Bild aus Grün und vielen Siedlungspunkten, das sich zu einem Netz aus Straßen, Dörfern, Städten und Metropolen verbindet. Es lassen sich organisch um einen Kern gewachsene, quadratische oder in Fächerform angelegte Strukturen ausmachen, die sich nach außen hin öffnen. Einfamilienhäuser, Reihenhaussiedlungen und Hochhäuser gruppieren sich zu Stadtteilen, lassen am Stil erkennen aus welcher Zeit sie stammen und werfen die Frage auf: Wie wird das Wohnen im 21. Jahrhundert aussehen? Wird noch mehr Fläche verbraucht? Bestimmte Tendenzen in Architektur, Technik und Gesellschaft geben heute schon Aufschluss darüber, wie das Wohnen von Morgen aussehen wird.
Brauchen wir noch Architekten?
Der Blechkasten namens Big-Brother-Haus in Köln-Hürth ist seit über einem Jahr das wohl meistbeachtete Haus in Deutschland. Doch der Fernsehcontainer hat keine Debatten über die Architektur am Beginn der Jahrtausendwende in Gang gesetzt. Dabei könnte das Containerheim durchaus als Zukunftszeichen taugen. Denn es zeigt eine Baukultur, die keine Schönheit braucht, kein Satteldach und kein festes Mauerwerk, die privaten und öffentlichen Raum vermischt, die dem Einfluss der Globalisierung und Mobilisierung gerecht wird.
Der gesellschaftliche Wertewandel hat auch auf dem Gebiet des Planens und Bauens tiefe Spuren hinterlassen. Mit allen Folgen für das Selbstverständnis der Architekten. "Aus Boden sind Grundstücke geworden, aus Häusern Liegenschaften, aus dem Städtebau Investitionsquoten", beklagt der Basler Kantonsbaumeister Carl Fingerhuth die Deformationen im Bauherren-Metier. Ist der Architekt, wenn er nicht gut aufpasst, auf dem besten Wege, eine anachronistische Figur zu werden, die sich mit nutzlosen Ideen beschäftigt und die mit ästhetischen Ansprüchen das Geschäft des Bauens nur unnötig verteuert?
Solche Überlegungen führen zu einem neuen Selbstverständnis in der Architektur. Verantwortung und Engagement gewinnen an Bedeutung, nicht mehr nur Ästhetik und Design. "Wir müssen über Baukultur nachdenken", fordert Peter Conradi, Präsident der Bundesarchitektenkammer. Das Selbstbild einer Gesellschaft zeige sich in den öffentlichen Bauten. Doch Städte, Länder und Bund ziehen sich als Bauherren immer mehr zurück. Wollten früher Ministerpräsidenten und Bürgermeister bauen, heißt heute ihre Devise sparen. Und dies auch in Bezug auf die bauliche Erhaltung und Erneuerung der öffentlichen Infrastruktur.
Bei einigen europäischen Nachbarn ist man in der öffentlichen Debatte über Baukultur schon weiter. Frankreich, Holland, Schweden und vor allem Finnland könnten direkte Vorbilder sein. In Finnland hat es eine Verfassungsänderung gegeben, die den Finnen ein Recht auf eine gute gebaute Umwelt einräumt. "Dort gibt es 24 Empfehlungen auf zwölf Seiten. Ein deutsches Ministerialpapier hat 120 Seiten und keine Empfehlungen", so Conradi. Auch in Holland ist Architektur längst eine Art Volkssport. Derweil jammerten deutsche Architekten über ihre Berufssituation, über die Honorarordnung und die EU.
Sicher ist, dass auch in Deutschland eine breite öffentliche Diskussion über gesellschaftlich und sozial anerkannte Wohnformen für breite Bevölkerungsschichten notwendig ist. Und darüber, wie eine weitere Polarisierung zwischen ländlicher Jägerzaunidylle und städtischer Bettenburg von wohnungspolitischer Seite vermieden werden kann. Das Trendbüro Mathias Horx stellt fest, dass sich gegen Globalisierung, Anonymisierung und Technisierung eine Gegenbewegung entwickelt, die unter dem Überbegriff "das große Heimweh" die Sehnsucht nach räumlicher Bindung und Nostalgie bündelt. Und auf der Kultur- und Wissenschaftsschau "Sieben Hügel" in Berlin hieß es: "Technischem Fortschritt und wissenschaftlicher Aufklärung zum Trotz erfahren die Menschen der Gegenwart dieselben Ängste wie ihre Vorfahren früherer Zeiten".
Der Wandel des Selbstverständnisses der Architekten muss hier ansetzen. Neue Wohnwerte zu schaffen, heißt zunächst einmal, die Sinnfrage zu beantworten. Heißt auch, eine Botschaft zu formulieren. Für die Zukunft werden mehr kommunikative Räume erwartet, die Mitbestimmung bei der Raumgestaltung und die Einbeziehung ökologischer Einsichten. Ein anderer Schwerpunkt liegt bei der Beachtung der Multimedia-Technologien, die die Arbeitswelt einschneidend verändern werden. Schneller Wohnen für Workaholics, Freiberufler und Menschen mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten machen das Spannungsfeld deutlich, in dem sich der Architektenstand befindet. Architektur für den Alltag ist auch frauenorientiertes Bauen. Die Wohnung ist - in der Regel für Frauen - ein Voll-Arbeitsplatz, an dem 76 Prozent der Frauen wöchentlich 39 Stunden für den Haushalt aufwenden. Frauenorientiertes Bauen sucht neue Wege, weg von der Vater-Mutter-Kind-Flächenbemessung, die mehr mit der Widerspiegelung von Machtverhältnissen innerhalb der Familie zu tun hat, als mit den tatsächlichen Nutzungsintensitäten und Arbeitserfordernissen, mit Spiel- und Bewegungsdrang.
Eine zukunftsgerichtete Architektur muss auch "soziale Versprechen" einlösen. Selbst- und Nachbarschaftshilfeprojekte, Pflege- und Altersheime heißen die aktuellen Themen dazu. Statt Krankenhaus-Ambiente mit Irrgärten von Fluren und uniformierten Zimmertüren sollte eine soziale Architektur mehr auf Milieugestaltung und kommunikative Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Wohnformen für verschiedene Lebensphasen und -lagen könnten neue Qualitätsmaßstäbe im sozialen Wohnungsbau setzen. Und schließlich gehört es zum gewandelten Berufsbild des Architekten, dass er bei Großprojekten, bei denen Bürger als Bauherren auftreten, in die Rolle des Kommunikationspartners schlüpft.
Bauen für das neue Jahrtausend
Wie wird sich die Architektur im neuen Jahrtausend entwickeln? Eine schlüssige Antwort ist nicht in Sicht. Fürs erste wird sie bleiben, wie sie ist. Teils ernst, minimalistisch, abweisend schroff, monumental oder bizarr. So wie die Fast-schon-Klassiker der Architekten Peter Kulka, Axel Schultes, Thomas Herzog, Peter Zumthor und Peter Sager. Und auf der anderen Seite heiter, verspielt und leicht wie die Bauten des Leichtbaupioniers Frei Otto, des Klassikers Günter Behnisch und des Ökorevolutionärs Rolf Disch. Solcher Zustand der scheinbaren Beliebigkeit im baulichen Ausdruck verstärkt das Gefühl, dass alles möglich und erlaubt ist, dass nichts mehr verbindlich ist.
Auch die aufgeregten Stildebatten der letzten drei Jahrzehnte über "Strukturalismus", "Postmoderne", "High-Tech", "Dekonstruktivismus" oder "Neue Einfachheit" liefern nur internationale Kategorisierungen. Solche Etiketten sind fragwürdig, weil sie der vielfältigen Arbeit der so Eingeordneten nicht gerecht werden. Letztlich scheint die architekturinteressierte Öffentlichkeit der ganzen banalen und vordergründigen Diskussionen über Stile und Fassaden überdrüssig zu sein. Sie sucht eine neue Qualität in der Sinngebung. Es lohnt sich also der Blick auf das Individuelle: auf den einzelnen Architekten und auf dessen Bauten, um der Frage nach der Architektur für das neue Jahrtausend auf den Grund zu gehen. Dabei fällt es nicht schwer, auch in der Heimat des vbw, also in Baden-Württemberg, auf besonders viele Beispiele für neue architektonische Wege zu stoßen. Mit einer Einschränkung vorweg: Anspruchsvolle neue Baukunst hat es überall schwer. "Denn in den Kommunen ist das Geld knapp, und der öffentliche Raum in und zwischen den Städten wird deshalb nur zu gern den umworbenen und umschmeichelten, mancherorts fast schon allmächtigen Investoren überlassen, denen meist jede Art von Kiste recht ist, Hauptsache groß und billig", wie Manfred Sack, Architekturbeobachter bei der ZEIT konstatiert.
Zu den innovativen Geistern seiner Zunft zählt der mittlerweile zu den Klassikern gehörende Architekt Günter Behnisch aus Stuttgart. Er gilt als Verfechter der Transparenz, er schafft Ein- und Durchblicke, die spielerisch wirken und gleichzeitig beschützend empfunden werden. In seinen öffentlichen Bauten zeigt sich, was unserer Gesellschaft wichtig ist. Seine Zeltbauten für die Olympischen Spiele 1972 in München brachten international eine neues Bild von den Deutschen.
Ein Stück gebaute Zukunft
Der Schweizer Architekt Peter Zumthor wurde mit den bedeutendsten Architekturpreisen geehrt. Den einen ist er der Schamane, den anderen der Mystiker. Seine Architektur lebt vom Elementaren, von der Konzentration auf das Wesentliche. So schafft er schnörkellose Räume voller Klarheit und Zeitlosigkeit. Die Basis seines Erfolges ist die "Kraft zur Sinngebung", die Zumthors Architektur zu verheißen scheint. Nachzuempfinden ist dies im Thermalbad von Vals in den Graubündner Bergen oder in Vorarlberg im Bregenzer Kunsthaus, das in ein Schuppenkleid aus Glastafeln gehüllt ist.
Letzteres ein Beispiel dafür, dass sich nicht nur in der Schweiz die Architektur wie ein Markenzeichen entwickelt, sondern auch im Nachbarland Österreich. Zur Zeit gilt das Bundesland Vorarlberg als Architekturhochburg. Dort, wo man es nicht erwartet, nämlich in der Provinz, zeigen junge Talente mit individuellen Mitteln ihren eigenen Stil. Neue partizipative Wohnmodelle entstanden, Tradition wurde neue interpretiert und mit ökologischen Überzeugungen verbunden. Doch nicht nur Renommierprojekte sorgen für internationalen Beifall. Sondern der soziale Wohnungsbau und Landhäuser, Gewerbebauten ebenso wie Liftanlagen. Sie alle zeigen innovative Baukultur. Einheimische Baustoffe wie Holz, alte Handwerkstraditionen und kostengünstige wie energiesparende Arbeitsweisen und Werkstoffe sind die Zutaten, die der Region seit den 60er Jahren Profil geben. Wichtige Voraussetzung dafür ist die Tatsache, dass in Vorarlberg jeder sein eigenes Haus entwerfen kann, auch wenn er nicht Architekt ist. Vorarlberg erkämpfte sich gegen den Protest der Wiener Architektenkammer ein Baurecht ohne Planungsvorlagen.
Architektur als "bewohnte Thermoskanne" ist nicht die Sache des Architekten Thomas Herzog aus München. Nicht stereotype Solarbauten interessieren ihn, sondern "ein Stück gebaute Zukunft" sollen seine Bauten verkörpern. Sie sind praktisch und komfortabel und gehen obendrein geschickt mit erneuerbaren Energien um. In seinen Bauten steckt viel Ökologie, aber nicht die ideologische Last der Ökofundamentalisten.
Herzogs Häuser fangen in ausgeklügelter Weise Sonnenenergie ein, wandeln sie nach Bedarf auch in elektrischen Strom um und verteilen Wärme sinnvoll im Gebäude. Gleichzeitig sehen sie noch gut aus. Ressourcenschonendes Bauen und architektonische Ambitionen bringt Herzog harmonisch in Einklang. Denn er weiß um die Probleme, die sich im Umgang mit der Solarenergie für Architektur und Städtebau ergeben können. Nach seiner Ansicht berühren sich im Umgang mit Solarenergien nicht nur die Naturwissenschaften mit den Ingenieurdisziplinen, sondern auch psychologische, anthropologische, wirtschaftliche und natürlich kulturelle Dimensionen. "Viele Probleme, die wir heute im Umgang mit natürlichen Lebensressourcen haben, sind auf einseitige Optimierungen zurückzuführen, bei denen die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche nicht hinreichend bedacht wurden", so die Einsicht von Thomas Herzog.
Probleme sind dazu da, gelöst zu werden, scheint sich der Architekt, Lehrstuhlinhaber und Erfinder Herzog zu sagen. Denn schon vor fast einem Vierteljahrhundert entwarf er energiesparende Häuser, versehen mit Holztragwerken und -wänden für private Bauherren. Sie auf den Markt zu bringen, war ein Kampf gegen Verordnungen und festgemauerte Vorstellungen der Genehmigungsbehörden. Ebenso lange sind "intelligente" Hausfassaden, die solare Energiegewinnung ermöglichen und das Haus gleichzeitig "atmen" lassen, sein Thema. Gebäudefassaden also, die auf wechselnde Umweltbedingungen flexibel reagieren können wie die Haut eines lebenden Organismus. Allerdings meint er damit nicht die Verwandlung von Architektur in bewohnbare Roboter, welche die Nutzer entmündigen.
Die jungen Wilden
Weitaus mehr technikkonzentriert, teils versponnen, zumeist aber pragmatisch orientiert sehen die Szenarien aus, die von der jüngsten Architektengeneration entworfen werden. Die Digitalisierung verändere unser Ortsgefühl, die Fundamente des Bauens würden sich auflösen und damit auch die Pläne für eine idealere Zukunft, so deren Credo. Stil- und Geschmacksfragen sind für die jungen Wilden des postmodernen Pluralismus kaum noch von Interesse. Getüftelt wird an Veränderungen im Kleinen. Der Japaner Shigeru Ban etwa baut Häuser aus Pappe, die sowohl als Ausstellungsraum wie als Notunterkunft für Erdbebenopfer dienen können. Andere verabschieden sich dank verschiebbarer Holzwände von den üblichen Raumeinteilungen der Wohn-, Ess- und Schlafzimmer oder erfinden die mobile Küche., die aus einem fahrbaren Kochwagen besteht und täglich an anderer Stelle in Betrieb genommen werden kann. Völlig enthemmt zeigen sich Entwürfe aus Frankreich, Holland und den USA in ihrer Architektur der Beweglichkeit, in der alles Abgezirkelte ein Zeichen von Rückschrittlichkeit ist.
Schon immer war es das erklärte Ziel der Moderne, alles Immobile zu mobilisieren, doch nie war der Drang spürbarer als heute. Französische Architekten haben ein maison portable' entworfen: ein kompaktes Alugebilde, das sich wie eine Ziehharmonika entfalten lässt und schließlich dasteht als ein Wohnschlauch mit vier Zimmern. Mit dem schlichten Bedürfnis nach Verschlossenheit und geregeltem Familienleben hat die "physiologische Architektur" eines Schweizer Büros nichts mehr gemeinsam. Sie verzichten ganz auf den Raum im herkömmlichen Sinn. Ihr Melatonin-Raum besteht einzig aus elektromagnetischer Strahlung und spezieller Beleuchtung.
Vom Bauhaus zum Baumhaus
titelte eine Zeitschrift, die neue architektonische Wege zwischen menschlichen Urbedürfnissen und technischen Innovationen im Dienste der Ökologie aufzeigte. Gemeint sind die Projekte des Architekten und Professors für Baukonstruktion und Entwerfen an der Universität Stuttgart, Peter Hübner, und des Freiburger Architekten und Professors der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, Rolf Disch. Beiden gemeinsam ist die Ausdauer, mit der sie um einen gesellschaftlichen Common sense' für ihre Visionen mit ökologischem Anspruch werben.
Peter Hübner gilt als Experte für Selbsthilfeprojekte. Also für Bauherren, die entweder wenig Geld haben oder gemeinschaftlich ökologisch bauen wollen. Architektur soll populär werden, den menschlichen Urbedürfnissen dienen, wünscht sich auch Hübner. Die Bewohner sollen sich mit dem Haus, der Schule, dem Kindergarten identifizieren, weil sie mitentwerfen und mitbauen können. Das dies funktionieren kann, hat Hübner an vielen Selbsthilfeprojekten erprobt, auch in Stuttgart. Sein Verständnis von Ökologie umfasst die Psyche des Menschen. "Ein Haus bauen heißt eine Geschichte erfinden", lautet seine Überzeugung. An Schönheit oder sogenannter Großer Architektur' ist Peter Hübner weniger interessiert, denn "gute Städte bestehen immer aus vielen Häusern, die überhaupt nicht brillant sind". Sein Architektenherz schlägt für die soziale Infrastruktur, für das Elementare, aber immer mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit.
Andere Akzente setzt Rolf Disch, der "Häuser der Zukunft" projektiert und dabei das neueste technische Angebot ebenso im Auge behält wie die Erwartungen des Marktes. Er hat gelernt, dass seine Solarvisionen nur mit gutem Management mehrheitsfähig sind. Sein sogenanntes "Heliotrop" realisierte er für mehrere Millionen Mark in den neunziger Jahren. Eine Art dreigeschossiger Zylinder, halbseitig verglast, drehbar und mit modernster Solartechnik ausgestattet, lockt ganze Heerscharen Interessierter an. Mittlerweile ist das Freiburger Heliotrop zum Prototyp mit Markencharakter geworden. "Es wirbt für das dringend erforderliche nachhaltige Wirtschaften, wofür es Forschungs- und Markteinführungshilfe leistet. Es mobilisiert Wirtschaftskraft für Investitionen in Zukunftstechnologien", so Disch.
Mit seinem Baumhaus namens Heliotrop wirbt Rolf Disch nicht um den normalen Häuslebauer. Für diese Zielgruppe hat er Solarreihenhäuser und Plusenergiehäuser entwickelt. Wie Peter Hübner hat auch Rolf Disch viele Jahre lang kostensparend Jugendhäuser, Schulen und Wohnanlagen mit viel Holz gebaut. Doch stärker als bei Hübner zeigt sich bei Disch der Wille, professionelle Architektur durch Design zu zeigen. Der Betrachter sieht seinen Willen zur gestalterischen Durchformung.
Architektur für das Zusammenleben
zu bauen, lautet das Ziel vieler junger Talente. Identitätsstiftende Häuser, die etwa durch Gemeinschaftsräume und Erschließung das anonyme Nebeneinander der Bewohner verhindern. Doch das Ziel kann nicht allein der Bruch mit eingeprägten Sehweisen sein. "Originalität ohne funktionale, soziale oder technische Notwendigkeit, die andere formale Lösungen erfordern, reicht nicht weit", orakelt Wolfgang Bachmann, Chefredakteur der Zeitschrift Baumeister'.
Damit sind wir wieder bei der Eingangsfrage nach der Entwicklung der Architektur im neuen Jahrtausend angelangt. Der Blick auf die verschiedenen Entwürfe zeigt, dass Architekten mit einer ökologischen Vision ihr traditionelles Berufsbild radikal in Frage stellen. Der Publizist und ausgewiesene Architekturfachmann Christian Marquart fasst es so zusammen: "Diese Architekten können nicht wie andere Kollegen nur nach Auftrag, also auf das Ergebnis gerichtet und mit den anerkannten Regeln der Technik, arbeiten, sondern müssen wie Projektentwickler Prozesse erst einmal anstoßen. Es gilt, Bedürfnisse zu stimulieren, Nachfrage nach umweltgerechtem Wohnen zu schaffen, sich intensiv auf Verfahren einzulassen - auf Verständigungsprozesse, auf Gespräche, auf Überzeugungsarbeit".
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