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10 Tage vor der Bundestagswahl – Wohnungswirtschaft fordert Weichenstellung für mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland

10 Tage vor der Bundestagswahl – Wohnungswirtschaft fordert Weichenstellung für mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland

Esslingen, 13.09.2017 – "Deutschland braucht in der nächsten Legislaturperiode ein eigenständiges Bundesbauministerium. Denn Bauen, Wohnen, Stadt- und Landentwicklung, digitale Infrastruktur und Energieeffizienz haben in den vergangenen drei Jahren so enorm an Bedeutung gewonnen, dass sie gebündelt auf oberste staatliche Ebene gehören“, forderte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, bei einem Pressegespräch in Esslingen rund zehn Tage vor der Bundestagswahl. "Die Wohn-Herausforderungen rund um die Energiewende, Wohnungsknappheit in Ballungsräumen, ausblutende Schrumpfungsregionen, den demografischen Wandel und die Integration von Zuwanderern können nur bewältigt werden, wenn sie in einem eigens dafür geschaffenen Ministerium mit dem Hauptziel 'gutes, bezahlbares Wohnen für Deutschland' angegangen werden", so der GdW-Chef.

Bauen: Deutschland braucht eine Wohnungsbaubeschleunigungs-Initiative

"Alle politischen Ankündigungen der vergangenen Monate haben nicht zum erhofften Ziel – ausreichend bezahlbarer Wohnraum in Wachstumsregionen – geführt. Deshalb braucht Deutschland eine Wohnungsbaubeschleunigungs-Initiative“, erklärte der GdW-Präsident. Die Dynamik beim Wohnungsbau kommt insbesondere wegen fehlendem bezahlbarem Bauland und fehlenden Anreizen für den Wohnungsbau nicht in Gang. Neben mehr Bauflächen, die nach Konzeptqualität vergeben werden, ist ein Stopp der Preisspirale vor allem bei der Grunderwerbsteuer notwendig und eine Erhöhung der linearen Abschreibung für Abnutzung von 2 auf mindestens 3 Prozent sowie eine gleichwertige Investitionszulage. "Nur so werden wir auch in Zukunft lebendige, lebenswerte und bezahlbare Innenstädte haben", so Gedaschko.

Insbesondere beim Sozialwohnungsbau muss der jahrelange Abwärtstrend dringend gestoppt werden. Hier klafft eine große Lücke von 80.000 zusätzlich benötigten Einheiten pro Jahr. „Beim sozialen Wohnungsbau brauchen wir auch nach dem Ende der Bundesmittel für die Wohnraumförderung Ende 2019 ein starkes gemeinsames Engagement von Bund und Ländern“, sagte Gedaschko. Der Bund sollte auch nach 2019 eine finanzielle Mitzuständigkeit haben. "Wenn dafür das Grundgesetz geändert werden muss, dann kann man das angehen."

Darüber hinaus appellierte der GdW-Präsident an die Politik, die ländlichen Regionen nicht aus den Augen zu verlieren. „Beim Thema Wohnen ist häufig ausschließlich von den angesagten Großstädten die Rede. Es ist aber ebenso eine zentrale und wichtige Aufgabe, die Infrastruktur und die Attraktivität in den ländlichen Regionen zu fördern.

Der GdW hat zu diesem Thema ein Booklet "14 Fakten für eine neue Wohnungspolitik" veröffentlicht.

Die Landesbauordnung muss vereinfacht und entschlackt werden

Baden-Württemberg hat bereits eine Wohnungsbaubeschleunigungs-Initiative aufgesetzt. Sie heißt „Wohnraum-Allianz Baden-Württemberg“ und tagt in sehr dichten Abständen seit über einem Jahr. „Diese Initiative der Wohnungsbauministerin Dr. Nicole Hofmeister-Kraut war mehr als notwendig. Gerade im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg fehlt es an preisgünstigem Wohnraum. Wie hoch der Bedarf in all seinen Facetten tatsächlich ist, wird derzeit auf Anregung der Wohnraum-Allianz von einem Institut unter Beauftragung der L-Bank ermittelt. Bis uns das Gutachten vorliegt, steht weiterhin die Zahl zwischen 60.000 und 75.000 notwendiger neuer Wohnungen pro Jahr im Raum“, so Sigrid Feßler, Verbandsdirektorin des vbw Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

„Weniger kostenintensive Vorgaben und Regelungen in der Landesbauordnung könnten das Bauen wieder attraktiver und günstiger machen - und zwar ohne dass damit ein Qualitätsverlust verbunden ist. Die Wohnraum-Allianz hat konkrete Vorschläge gemacht, die es jetzt von der Politik umzusetzen gilt“, so die Direktorin des vbw. „Ebenso bedarf es dringend der Beschleunigung der Genehmigungsverfahren sowohl in der Bauleitplanung als auch im Baugenehmigungsverfahren. Die Bearbeitungszeiten dauern mancherorts viel zu lange. Insbesondere die internen Abstimmungsprozesse mit den Fachbehörden, wie Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden, laufen nicht rund. Dies führt teilweise zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen und damit für den Bauherrn zu erheblichen Mehrkosten. Da ist noch einiges zu tun“, fordert Sigrid Feßler.

„Wir können nur dann schnell zu mehr Wohnungsneubau kommen, wenn alle Akteure ihren Anteil dazu beitragen:

·         Das Land mit einem gut ausgeführten und gut dotierten Landeswohnraumförderungsprogramm, auch über 2019 hinaus, wenn nach jetzigem Stand die Kompensationsmittel des Bundes enden, mit niedrigeren Grunderwerbsteuern, mit Musterverfahrensabläufen und einer ausreichenden personellen Ausstattung der Behörden

·         Die Kommunen mit der Ausweisung von ausreichend und vor allem bezahlbarem Bauland, dem Verzicht auf die Vergabe im Höchstpreisverfahren, also einer Konzeptvergabe, die in jeder Kommune anders aussehen kann

·         Die Wohnungswirtschaft ist bereits dabei, ihren Anteil zu erfüllen. Allein für den Wohnungsneubau haben unsere Mitgliedsunternehmen für 2017 ein Investitionsvolumen von über 1,4 Mrd. € geplant. Um schneller zu mehr Neubau zu kommen, denken unsere Unternehmen auch intensiv über Möglichkeiten des seriellen oder modularen Bauens nach. Aber auch hier ist das Land gefragt: solchen Modul- und Systembauten darf die Landesbauordnung nicht entgegenstehen“, so die Verbandsdirektorin.

„Bei unseren Mitgliedsunternehmen fließen die Mieteinnahmen nicht an externe Investoren. Die Mittel bleiben im Unternehmen und werden zu einem großen Teil in die Instandhaltung und Modernisierung der bestehenden Wohnungen sowie in den Wohnungsneubau reinvestiert“, betonte Feßler. Dies führe dazu, dass die Mieten erschwinglich bleiben. Die Genossenschaften mit Spareinrichtung bieten ihren Mitgliedern zudem sichere und gute Sparkonditionen. Dazu gehört auch die Baugenossenschaft Esslingen eG.

Enttäuschung ist normal

Zu viele Interessenten auf zu wenig freie Wohnungen spiegeln den Bedarf nach neuem Wohnraum

 Die Baugenossenschaft Esslingen eG (BGE) ist vor über 125 Jahren aus der mit der Industrialisierung einhergehenden Wohnungsnot heraus entstanden. Seinerzeit hatten mutige Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und sind in gemeinsamer Kooperation ihr Wohnungsproblem angegangen: Sie haben die fehlenden Wohnungen gebaut.

Diesem Geschäftsmodell ist die BGE treu geblieben. Auf eigenem Grundstück in Oberesslingen hat sie die alten 52 Wohnungen abgerissen und errichtet dort jetzt den „Silcherhof“ mit 124 Neubauwohnungen, die Anfang 2019 fertig werden. Doch das reicht nicht, um den Bedarf zu decken. „Wir müssten jede Woche einen ‚Silcherhof‘ bauen, um allen Interessenten eine Wohnung vermieten zu können“, rechnet Christian Brokate, Vorstand Baugenossenschaft Esslingen eG, vor. „Uns erreichen 12.000 Bewerbungen im Jahr auf gerade mal freie 200 Wohnungen. Die enttäuschende Absage ist leider der Normalfall, die Zusage der Hauptgewinn.“

Was fehlt, sind bebaubare Flächen. Denn klar ist, diese starke Nachfrage kann nicht allein durch Nachverdichtung gedeckt werden. Es müssen neue Baugebiete ausgewiesen werden. „Hier sind Stadt und Region in der Pflicht, denn sonst wandern zunächst die Menschen und schließlich auch die Arbeitsplätze ab“, befürchtet Brokate. 

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Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

Der vbw Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen ist ein Landesverband innerhalb des GdW. Die 300 Mitgliedsunternehmen bewirtschaften rund 450.000 Wohnungen. Sie investieren jährlich insgesamt rund 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro in die Instandhaltung, Modernisierung und in den Wohnungsneubau. Knapp jeder achte Einwohner in Baden-Württemberg wohnt in Wohnungen, die von einem Mitgliedsunternehmen errichtet, vermietet oder verwaltet werden.

Gegründet im Jahr 1890 ist die Baugenossenschaft Esslingen eG die älteste Wohnungsbaugenossenschaft in Baden-Württemberg. Ihren 7.000 Mitgliedern gibt sie in 3.000 Wohnungen in Esslingen ein gutes und sicheres Zuhause und betreibt zudem eine eigene Spareinrichtung.

 

Zum Download: Presseinfo