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Klimagipfel der Wohnungswirtschaft 2022

Unter dem Eindruck der aktuellen klimapolitischen Maßnahmen und deren Auswirkungen auf die Wohnungswirtschaft fand der zweite Klimagipfel der Wohnungswirtschaft in Konstanz statt. Im Fokus der gemeinsamen zweitägigen Veranstaltung des vbw mit dem VdW Bayern standen die Energieeffizienz des Wohnungsbestandes und geeignete unternehmensindividuelle Strategien für die Dekarbonisierung der Gebäude. Mit einem Besucherrekord von 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand die hybride Veranstaltung großen Zuspruch. Der nächste Klimagipfel der Wohnungswirtschaft von vbw und VdW Bayern ist bereits in Planung.

vbw-Verbandsvorsitzender Peter Bresinski über das Spannungsfeld, in dem sich die Wohnungswirtschaft befindet:
„Die Herausforderungen für die gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen liegen darin, den klimaneutralen Wohnungsbestand in 18 Jahren zu erreichen und gleichzeitig das Wohnen weiterhin bezahlbar zu gestalten. Um Klimaneutralität zu erreichen, liegt das Hauptaugenmerk auf dem Wohnungsbestand. Die vbw-Mitglieder halten rund 460.000 Wohnungen, in die in unterschiedlichem Maße investiert werden muss."

Bresinski zweifelte an der Sinnhaftigkeit von immer höheren Energieeffizienzstandards. „Hohe Investitionen in die Gebäudehülle, die Gebäudetechnik sowie die Heizsysteme schlagen auf die Mieten durch. Die Klimastrategien der Unternehmen müssen vielmehr auf die effiziente Einsparung von CO2 ausgerichtet werden. Daran sollte sich auch die Ordnungspolitik orientieren!“

Einen Weg, wie Energieeffizienz kostengünstig zu erreichen ist, skizzierte Dipl.-Ing. Arch. Martin Ploß vom Energieinstitut Vorarlberg in seinem Vortrag. Er stellte die Modellvorhaben zur energetisch-wirtschaftlichen Optimierung von Mehrfamilienhäusern in Vorarlberg vor. Dabei habe sich die Methode der Optimierung auf die Lebenszykluskosten bezogen bewährt. Die Ergebnisse seien ermutigend: "Unsere Forschungsprojekte in Vorarlberg zeigen, dass die investiven Mehrkosten effizienter, Parisziel-kompatibler Gebäude in der Praxis deutlich niedriger sind, als in vielen theoretischen Studien behauptet. Die Projekte zeigen darüber hinaus, dass unter bestimmten Voraussetzungen höchste Effizienz im Lebenszyklus wirtschaftlich sein kann."

Sanierung ist unter dem Aspekt der CO2-Reduzierung dem Abriss und Neubau vorzuziehen. Diese These postulierte Prof. Dr. Manfred Norbert Fisch. Er ist Leiter des Steinbeis-Innovationszentrum siz energieplus und berät als Geschäftsführer des Ingenieurbüros EGS-plan seit vielen Jahren Wohnungsunternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung individueller Klimaschutzstrategien. Betrachte man die Entstehung von Treibhausgasemissionen nicht nur nach dem Quellprinzip sondern nach dem Verursacherprinzip, werde schnell deutlich, dass durch Abriss und Neubau deutlich mehr „graue“ CO2-Emissionen entstehe als bei Sanierungen. Der Ingenieur sprach sich darüber hinaus dafür aus, die Anforderung an die Gebäudehülle nicht noch weiter zu verschärfen, sondern für eine Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zu sorgen. Er forderte die Gesetzgeber auf, die Förderlandschaft auf die Vermeidung von Treibhausgasemissionen zu fokussieren. Dabei mahnte auch er: „Klimaneutral ist nicht kostenneutral, dafür braucht es eine Akzeptanz in der Gesellschaft.“

Der zweite Veranstaltungstag des Klimagipfels startete mit Dr. Ingrid Vogler vom GdW. Die ausgewiesene Expertin für Energie und Technik gab einen Überblick über die klimaschutzpolitischen Maßnahmen und deren Auswirkungen auf die Wohnungswirtschaft. Ihr Fazit: Nach wie vor sei auch durch die neue Bundesregierung keine taugliche Klimapolitik vorhanden. Die Wohnungswirtschaft werde zwischen Klimazielen und bezahlbarem Wohnen aufgerieben. Es werde weiter immenser Aufwand mit Detailregelungen und Detailzielen betrieben. Der GdW sei hier weiter im Gespräch mit der Bundesregierung und verdeutlicht die Bedürfnisse der Wohnungswirtschaft. „Das entbindet die Wohnungsunternehmen jedoch nicht davon, ab sofort Klimaschutz umzusetzen und alles für Reduzierung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen zu tun, was wohnungswirtschaftlich vertretbar ist.“ Vogler wies darüber hinaus auf die Initiative Wohnen.2050 hin. Dem klimapolitischen Bündnis sind schon viele Wohnungsunternehmen beigetreten und tauschen sich dort fachlich aus. Die Mitglieder erhalten darüber hinaus Zugriff auf diverse Tools für die Dekarbonisierung des Gebäudebestands.

Die Klimastrategie des Landes Baden-Württemberg stellte Dr. Ulrich Maurer vom Umweltministerium Baden-Württemberg vor. „Die Wohnungswirtschaft ist einer der wichtigsten Partner, um die Wärmewende erfolgreich anzugehen“, betonte Maurer. Die Herausforderung bestehe vor allem im Bestand. Der plötzliche Stopp der KfW55-Förderung sei zwar überraschend gewesen. “Fest steht jedoch: Der Effizienzhausstandard 55 wird im Neubau zukünftig nicht mehr gefördert, da dieser inzwischen Standard ist und sich durch die gestiegenen Energiepreise rechnet.“ Die Fördermittel müssten zielkompatibel und gezielt eingesetzt werden. Der Fokus werde zukünftig neben wirklich ambitioniertem Neubau vor allem auf der Sanierung von Bestandsgebäuden liegen. Mit der Neuauflage des Landeswohnraum­förderungs­programms unterstütze das Land die Wohnungswirtschaft im Neubau mit dem Ziel, zusätzlichen Wohnraum zu moderaten Preisen zur Verfügung zu stellen. Es werde aber auch hier Energieeffizienz auf KfW55-Niveau gefordert, um niedrige Betriebskosten zu ermöglichen. Außerdem ist geplant, für den Wohnungsbestand ein Förderprogramm für serielles Sanieren aufzulegen. Mit dem Förderprogramm „Kombi-Darlehen Wohnen mit Klimaprämie“ werden darüber hinaus ambitionierte Sanierungen unterstützt. Und schließlich will das Land mit dem „Effizienzpreis Bauen und Modernisieren viele guten Best-Practice-Projekte auszeichnen, die viele Nachahmer finden sollen.  

"Klimaschutz bedeutet Emissionsreduzierung, nicht zwingend Energieverbrauchsreduzierung", postulierte hingegen Prof. Dr. Norbert Raschper vom Technischen Immobilienmanagement an der EBZ Business School, Bochum. Natürlich sei eine ehrgeizige Dämmung notwendig, doch diese allein reiche nicht aus. Er ist der Überzeugung: „Die Klimaschutzziele können nur durch eine Dekarbonisierung der Heizungen erreicht werden. Das wird die Wohnungsunternehmen sehr stark fordern und braucht langfristige Planungen.“ Dabei gebe es keine Handlungsempfehlung für eine einzige optimale Lösung – grüne Nahwärmenetze im Quartier, Solarthermie oder Wärmepumpen. Vielmehr müsse jedes Wohnungsunternehmen für sich einen individuellen Klimapfad erarbeiten, erklärte Raschper, der mit der iwb Immobilienwirtschaftliche Beratung Unternehmen bei der Entwicklung einer Roadmap für mehr Klimaschutz begleitet.

Neben den hochkarätigen Expertenvorträgen bot der Klimagipfel auch spannende Beispiele aus der Praxis. Sie gaben einen Einblick über die Bandbreite der Möglichkeiten für die Energieeinsparung im Gebäudebereich:

So stellte Uwe Wulfrath, Geschäftsführer der GWG Tübingen, ein Pilotprojekt für die serielle Modernisierung im Bestand vor. Um Wohngebäude mit schlechter Energieeffizienz zu sanieren, arbeitet das kommunale Wohnungsunternehmen mit dem Fertighaushersteller Schwörer zusammen. Die Vorteile: Durch die Verlagerung von Bauleistungen in die Fabrikhalle können die Bauzeiten für die tatsächliche Modernisierung vor Ort und damit die Belastung für die Mieter gekürzt werden. Gleichzeitig soll so der Handwerkermangel abgefedert werden, indem die Ressourcen des Fertighausherstellers genutzt werden.

Sich auf den Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand zu begeben, brauche Offenheit, um Neues auszuprobieren, so Andreas Heipp von der Joseph-Stiftung Bamberg. 2021 hat das kirchliche Wohnungsunternehmen eine Stiftungscard erarbeitet, um eine auf das Unternehmen angepasste Klimastrategie zu entwickeln und Handlungsfelder zu identifizieren. „Dabei war es uns wichtig, über Kommunikation die Mitarbeiter einzubinden, damit die Transformation im Unternehmen gelebt und Innovationen aus den eigenen Reihen angestoßen werden.“

Pionierarbeit leistet auch die Wohnbaugruppe Augsburg mit einem Projekt zur Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien mit Hilfe einer innovativen Power-to-Gas-Anlage. Prokurist Bernd Silbermann: "Wenn solche Anlagen mit regenerativen Energiequellen betrieben werden können, dann dekarbonisieren sich die Gebäude von selbst. Die Power-to-Gas Anlage besteht aus handelsüblichen Komponenten und funktioniert am besten und wirtschaftlichsten, wenn deren Inbetriebnahme bereits bei der Planung eines neuen Gebäudes von Anfang an berücksichtigt werden kann.“

Und last but not least erhielten die Teilnehmer des zweiten Klimagipfels Einblick in den Aufbau eines Nahwärmenetzes: Die WOBAK Städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Konstanz kooperiert eng mit den Stadtwerken Konstanz, um eine klimafreundlichere Energieversorgung mit erneuerbaren Energie aufzubauen. „Erneuerbare Wärmenetze sind die effektivsten Instrumente zur Klimaneutralität im Gebäudesektor. Aber: Bis zur Realisierung müssen Hürden in der Planung, bei der Überzeugung weiterer Nutzer und in der unsicheren Förderkulisse überwunden werden.“, erläuterten WOBAK-Geschäftsführer Jens-Uwe Götsch und Dr. Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz.

Impressionen des Klimagipfels in Konstanz

Klimawandel und Klimaschutz

Der fortschreitende Klimawandel ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Bei der Einsparung von CO2 und dem sparsamen Verbrauch von Ressourcen kommt der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft eine wichtige Aufgabe zu. Mehr als zwei Drittel der Wohnungen wurden bereits energetisch modernisiert. Jährlich werden mehr als 300 Millionen Euro in die Modernisierung investiert. Dennoch bleiben die Herausforderungen hoch. Insbesondere wenn es gilt, einerseits die Klimaziele im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zu erreichen und andererseits das Wohnen bezahlbar zu halten.

Klimaziel in Baden-Württemberg: Null Emissionen im Gebäudesektor bis 2040

Mit der Verschärfung des Bundes-Klimaschutzgesetzes im August 2021 wurde das Ziel verankert, eine Treibhausgasneutralität bis 2045 zu erreichen.

In Baden-Württemberg will die Landesregierung dies sogar noch übertreffen. In der Novelle des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg (KSG BW) im Herbst 2021 wurde festgeschrieben: "Der Treibhausgasausstoß des Landes soll im Vergleich zu den Gesamtemissionen des Jahres 1990 bis 2030 um mindestens 65 Prozent (reduziert werden) und bis 2040 soll über eine schrittweise Minderung Netto-Treibhausgasneutralität („Klimaneutralität“) erreicht sein."

Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Wohnungswirtschaft, eine Branche, die üblicherweise in 40-Jahres-Zyklen investiert. Sie kann nur mit fundierten und gut geplanten Klimastrategien gemeistert werden, die allerdings die Unternehmensentwicklung über Jahrzehnte maßgeblich beeinflussen.

Dr. Iris Beuerle, vbw-Verbandsdirektorin:

"Eine der größten Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft in Baden-Württemberg ist die Erreichung der Klimaneutralität im Gebäudebestand bis 2040.

Zum Erreichen der Klimaziele muss der Fokus dabei auf die CO2-Einsparung statt auf ständig höhere Effizienzstandard gelegt werden. Von der Politik fordern wir, dass regulatorische Rahmenbedingungen angepasst, Technologie-Offenheit sowie Sektorkopplung gewährleistet werden.

Denn wichtig ist: Der Klimaschutz darf die gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen in ihrer Investitonstätigkeit nicht überfordern. Damit bezahlbares Wohnen möglich bleibt!"

Ein Videostatement der Verbandsdirektorin finden Sie hier

Die Dekarbonisierung des Gebäudebestands ist möglich

Die Baugenossenschaft Familienheim Heidelberg eG hat in Zusammenarbeit mit der Eco2nomy GmbH, Stuttgart, dafür proaktiv eine Klimaroadmap erstellt. Mit Unterstützung der Beratungsgesellschaft gelang es, Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Sozialverträglichkeit der Maßnahmen zu optimieren.

Wichtig war dabei, methodisch mit Hilfe von speziellen Tools die relevanten Aspekte zu analysieren und sorgsam gegeneinander abzuwägen. Auf dieser Basis konnten die Entscheidungen getroffen werden, die weit über eine reine technische Optimierung hinausgehen. Mit dem vorliegenden klaren Plan kann es jetzt an die Umsetzung gehen.

Den ausführlichen Bericht können Sie hier in unserem Magazin aktuell nachlesen

Klimaziele erreichen mit Plan
Baugenossenschaft Familienheim Heidelberg eG erstellt Klimaroadmap 2030+

European Green Deal

Der „Green Deal“ der Europäischen Kommission ist eine der sechs politischen Leitlinien und Kernstück der neuen „Von-der-Leyen-Kommission“. Mit dem Paket sollen Ziele wie die Klimaneutralität in der Europäischen Union (EU) bis 2050, die Abkopplung des Wirtschaftswachstums von der Ressourcennutzung oder der Schutz des Naturkapitals verfolgt werden. Der Green Deal soll vor allem zum Umdenken in und zu einer Umstrukturierung der Gesellschaft und Wirtschaft führen und ist als neue Wachstumsstrategie der EU gedacht.

Mehr dazu von Dr. Özgür Öner, Leiter des Europabüros beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. in seinem Artikel European Green Deal

European Green Deal

Nachhaltigkeit

Die vbw-Mitgliedsunternehmen sind nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, weil sie ihren Mietern und Mitgliedern dauerhaft bezahlbaren Wohnraum bieten. Sie handeln ökonomisch, ökologisch und sozial. Mit dem Leitfaden zur Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft des GdW können die Wohnungsunternehmen die Werte transparent darstellen.

Leitfaden
zur branchenspezifischen
Ergänzung des Deutschen
Nachhaltigkeitskodex (DNK)

Nachhaltiges Bauen

Über die Siegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erfahren Sie in dem Artikel Felix Jansen, DGNB, mehr.

Siegel
der Deutschen
Gesellschaft für
Nachhaltiges Bauen

Energetische Sanierung

Damit der Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral werden kann, müssen energetisches Sanieren und bezahlbares Wohnen in Einklang gebracht werden. Dafür brauchen wir neue Sanierungsprozesse und innovative, in der Breite umsetzbare Konzepte, kombiniert mit stärkenden Impulsen aus der Politik. Ein wichtiger Baustein kann die serielle Sanierung mit vorgefertigten Elementen sein, beispielweise nach dem Energiesprong-Prinzip.

Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) schreibt: Energiesprong revolutioniert den Sanierungsmarkt.

Energiesprong
revolutioniert
den
Sanierungsmarkt

Serielles, modulares Bauen

Der GdW hat mit neun Anbietern Rahmenvereinbarungen für seriellen und modularen Wohnungsbau geschlossen.

Broschüre
zur
GdW-Rahmenvereinbarung